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Griechenland - was nun?

Post 30. Juni 2015 By In 2015

Alle wissen, der griechische Staat ist überschuldet. Nur möchte ich daran erinnern, dass des einen Schulden, des anderen Guthaben sind. Bis Anfang 2010 waren es private Gläubiger, die die verzinslichen Papiere von Griechenland gehalten haben. Mit sogenannten „Rettungs“-aktionen haben diese Schuldverschreibungen zu großen Teilen den Besitzer gewechselt. Von den ca. 322 Milliarden Ansprüchen gegenüber dem griechischen Staat wurden nun davon ca. 75 % in Kredite von ESFS, ESM, IWF, EZB und in bilaterale Hilfskredite von Staaten umgewandelt. Die Haftung tragen nun nicht mehr die anfänglichen Profiteure, sondern die beteiligten Völker.

Sie leihen mir Geld und ich kann es nicht zurückzahlen. Wer sollte davon betroffen sein? Sie als ursprünglicher Gläubiger oder die Gemeinschaft? Insofern haben die Staaten ...

mit ihrem Handeln das heiße Eisen der privaten Gläubiger im großen Stil aus dem Feuer geholt. Die politischen Kräfte, die dies entschieden haben, sollte man eines Tages zur Verantwortung ziehen.

Doch diese als Rettung getarnten Aktionen waren an Bedingungen geknüpft. So wurden in Griechenland Renten gekürzt, soziale Leistungen gestrichen, Arbeitseinkommen reduziert, lebensnotwendige Ausgaben, wie im Gesundheitsbereich, gestrichen. Über die inhumanen Wirkungen habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Parallel wurde nach neoklassischer Manier verkündet, dass Griechenland über Wirtschaftswachstum aus der Krise finden soll. Sich jedoch Wachstum zu wünschen und gleichzeitig die nachfragewirksame Liquidität breiter Bevölkerungsschichten massiv zu dezimieren, der Widerspruch kann kaum offensichtlicher sein.

Hinzu kommt, dass die Forderung nach Wachstum den anvisierten Lösungsweg noch nicht hinreichend korrekt abzeichnet. Denn das Wachstum muss bezüglich seiner Höhe über den Steigerungsraten von Guthaben und Schulden liegen. Geschieht dies nicht, wird die Situation trotz Wachstum schlechter. Des Weiteren gilt, dass die von allen Griechen zu zahlenden Schuldzinsen des Staates abfließen und so gut wie nicht für Konsum im schönen Griechenland eingesetzt werden. Die Ursache hierfür wiederum liegt in der vorzufindenden Gläubigerstruktur und der extremen Vermögensungleichverteilung.

Griechenland wird nie diese Schulden sozial- und umweltverträglich zurückzahlen können. Auch wird nie darüber nachgedacht, was ein Gläubiger mit den zurückerhaltenen Mitteln macht? Wenn dieser weiter Guthabenszinsen generieren möchte, muss er sich schließlich einen anderen, neuen Schuldner suchen. Insofern verschiebt sich nur das Problem, exponentielle Fehlentwicklungen geschehen dann an anderen Orten.

Ich empfehle Griechenland, parallel zum Euro eine Fließende Drachme einzuführen. Diese würde wirtschaftliche Strukturen in Griechenland stärken und exponentielle Wachstumsprozesse in diesem Segment ausschließen. Die in Griechenland produzierte Tomate wäre günstiger als die eingeführte holländische. Wegen der kürzeren Transportwege würde sich die Umwelt freuen.

Aus den Mainstreammedien ist zu vernehmen, dass sich zwischen der deutschen und der griechischen Bevölkerung Disharmonien herausgebildet haben. Das kann ich nicht bestätigen. Die absolute Mehrheit der deutschen Bevölkerung fühlt sich unverändert mit den Menschen in Griechenland freundschaftlich verbunden. Das ist zumindest mein Eindruck aus Gesprächen, wenn ich durch das Land ziehe. Wir brauchen keine Feindbilder, sondern Lösungen, die das Gemeinwohl nach vorn bringen. Das bedeutet, nicht den Blick auf die Interessen weniger Eliten zu richten, sondern kooperativ Alternativen umzusetzen, die den notwendigen Veränderungsprozess wertvoll begleiten.

Steffen Henke

Last modified on Dienstag, 30. Juni 2015 11:43

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