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EZB senkt Hauptrefinanzierungszins auf null Prozent

Post 13. März 2016 By
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Im Handelsblatt Morning Briefing ist am 11.03.16 zu lesen:

„Der Leitzins, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank leihen können, wurde auf null Prozent gesenkt. Das bedeutet: Der Zins, bisher die Belohnung für den Sparsamen, ist abgeschafft. Prasser und Geldverschwender erleben ihren Aufstieg zu Ikonen der Neuzeit.“

Hier hat sich der Verfasser wohl eher zu einer reißerischen Schlagzeile verleiten lassen als brauchbar die Entscheidung der EZB von gestern nachvollziehbar zu reflektieren. Was ist passiert? Die EZB hat den Hauptrefinanzierungssatz von 0.05 % auf 0 % reduziert, kein sonderlich großer Zinsschritt.

Geschäftsbanken können sich gegenwärtig Zentralbankgeld in gewünschter Menge gegen Lieferung von Sicherheiten verschaffen. Dies geschieht vor allem im Rahmen ...

der sogenannten Offenmarktgeschäfte. Ziel ist es, die Inflationsrate als eine Art der destruktiven Geldumlaufsicherung, in die Nähe von 2 % zu bringen. Trotz massiver Zentralbankgeldmengenausweitungen ist dies bisher nicht gelungen. Nun sollen die Geschäftsbanken die zusätzlichen Mittel nicht „verschwenden“, sondern damit in die Lage versetzt werden, Darlehen an z. B. private Haushalte und die Industrie zu vergeben. Über diese Kredite soll wirtschaftliche Aktivität angeregt und Wirtschaftswachstum erzeugt werden. Hier zeigt sich bereits ein wesentlicher Fehler. Zu glauben, man könne die aufgeblähten Ungleichgewichte noch mit Wirtschaftswachstum kompensieren, ist ein Irrtum.

Vor allem durch Zins und Zinseszins haben sich enorme Berge an Guthaben und Schulden gebildet. Die sich hieraus zwangsweise ergebenden wachsenden Schuldzinsforderungen können längst nicht mehr über Wirtschaftswachstum ausgeglichen werden. Insofern handelt es sich um Maßnahmen, die das System wieder noch ein paar Wochen am Leben erhalten, insofern man von „Leben“ bez. des aktuellen Zustands überhaupt noch reden will.

Mit dem Begriff „Verprassen“ wird der Eindruck vermittelt, man hätte nur den falschen Weg gewählt, man könne mit „Sparen“ die Situation viel besser lösen. Dies ist jedoch falsch. Ohne die wilden Eingriffe der Zentralbanken wäre das Finanzsystem längst ausgefallen, mit dem Vorgehen wird nichts gelöst, jedoch die finale Phase hinausgeschoben. Mit finaler Phase ist gemeint, dass zu viele Schulden existieren, den Schulden stehen eins zu eins die entsprechenden Guthaben gegenüber. Diese Volumina haben sich exponentiell vor allem wegen einer fehlerhaften Geldumlaufsicherung aufgebläht und müssen nun reduziert werden. Dies kann kontrolliert über z. B. einen Schuldenschnitt oder unkontrolliert über einen Ausfall der Papiere erfolgen. Wann lernen wir Menschen, dass nichts auf der Welt zeitlich unbegrenzt exponentiell wachsen kann? Bei der Verwendung von Fließendem Geld würden sich solche irren Berge an verzinslichen Ansprüchen erst gar nicht bilden.

Steffen Henke

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