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Bundeswehr lockt ...

Post 14. November 2014 By In 2014

Einer meiner Söhne erreicht 2015 sein 18. Lebensjahr. Dies war wohl eine hinreichende Bedingung, dass er höchstpersönlich Post vom „Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Abteilung II, Personalgewinnung“ erhielt. Die erste Frage, die sich mir sofort auftat, war: Wieso weiß die Bundeswehr nach Abschaffung der Wehrpflicht, dass sich mein Sohn bald im rekrutierfähigen Alter befindet? Als ich selbst diesen Werbebrief las, wurde ich nicht glücklicher, nachdem ich erfahren musste, dass die Bundeswehr „einer der größten Arbeitgeber Deutschlands“ ist. Ist es wirklich notwendig, dass unser Land derart umfangreiche Kapazitäten in diesem Segment bindet, wenn doch das Geld, auch in unserem Land, in so vielen anderen Bereichen fehlt? Im Text des Anschreibens sind einige wenige Wörter fett gedruckt, und zwar die Frage: „Haben wir Ihr Interesse geweckt?“. Diese folgt unmittelbar nach der dick hervorgehobenen Motivation für den potentiellen Bewerber, da „berufliche Chancen“ und eine „attraktive Vergütung“ in Aussicht gestellt werden. Sollen hier „Mäuse mit Speck“ gefangen werden? Die ganze Aufmachung erinnert eher an ein großes Abenteuer, als die Ausbildung an todbringender Waffentechnik. Jede(r) darf das frei entscheiden, eine solche Laufbahn einzuschlagen, doch warum wird der Beruf in bunten Farben voller Verlockungen präsentiert, die eher an einen glänzenden Verkaufsprospekt eines zweifelhaften Produkts erinnert?

Noch mehr Verwirrung kam in mir auf, als ich dank des Flyers zur Kenntnis nahm, dass „Auslandseinsätze aktuell zu den wichtigsten Aufgaben der Bundeswehr gehören.“ Weiter heißt es im Text: „Bei Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung erhalten Sie steuerfrei zusätzlich 30 bis 110 € pro Tag (die Höhe richtet sich nach dem Einsatzland).“ Korreliert hier der Betrag mit der Wahrscheinlichkeit, im Dienst ...

sein Leben oder seine Gesundheit zu geben? Wer schätzt es überhaupt ein, welche Geldsumme bei welchen Risiken angemessen ist? Oder wird die Summe so angepasst, bis die Zahl der „Freiwilligen“ für den erforderlichen (?) Einsatz zur Verfügung steht? Wenn in einem Land die Zahl der schlechtbezahlten Jobs steigt, erhöht sich damit die Aussicht des Militärs, Einsatzkräfte über finanzielle und weitere Anreize zu gewinnen? Ergeben sich hieraus nicht eine Vielzahl an Risiken, sollte es sich so verhalten?

„Sie wollen mit Ihrem Engagement einen zukunftsorientierten und modernen Arbeitgeber kennenlernen, …?“, ist eine weitere, im betreffenden Faltblatt niedergeschriebene Frage. Ich habe die Hoffnung, dass es eine Zukunft gibt, in der nicht Armeen die Strukturen sind, die auf diese Weise ins Blickfeld junger Menschen gelangen. Ich wünsche mir Post von Organisationen, die meine Kinder zu Kooperationen ins Ausland einladen, damit sie andere Kulturen erleben, Freundschaften schließen, Sprachen lernen und den Sinn ihres Lebens finden. Ich wünsche mir junge Menschen, die genug Kraft haben, zu verzeihen, damit die Fehler der Vergangenheit in den Schatten gelangen und sich da Toleranz einstellt, wo heute noch unvorstellbarer Schmerz und Feindschaft vorherrschen. Ich wünsche mir Frieden und ein nachhaltiges Wirtschaften, damit wir unsere Umwelt schützen. Ich wünsche mir fließendes Geld, damit der irrsinnige zinsbedingte Umverteilungsmechanismus mit großer Gefahr für das demokratische Gefüge endet. Deshalb kommt meine Antwort als Vater zweier Söhne sehr gut mit dem Song von Reinhard Mey: „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ zum Ausdruck.

Steffen Henke

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