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Paris

Post 24. November 2015 By In 2015

Tiefe Trauer und Anteilnahme haben bei mir die Nachrichten über die Terroranschläge am 13.11.2015 in Paris ausgelöst. Da ich jedoch fühle, dass diese Vorgänge medial zu oft aus dem Gesamtkontext herausgerissen werden, habe ich mich nun entschieden, zu den entsetzlichen Ereignissen etwas zu schreiben.

Mit Überraschung stellte ich fest, dass im Handelsblatt Morning Briefing vom 16.11.2015 folgendes zu lesen war: „Die Attentäter vom vergangenen Freitag sind für ihre

menschenverachtenden Taten allein verantwortlich und müssen mit der Härte des Rechtsstaats zur Rechenschaft gezogen werden. Aber für das feindliche Klima zwischen den Kulturkreisen trägt der Westen eine Mitschuld.“ Dem stimme ich zu.

Weiter heißt es: „Von den 1,3 Millionen Menschenleben, ...

die das Kriegsgeschehen von Afghanistan bis Syrien mittlerweile gekostet hat, bringt es allein der unter falschen Prämissen und damit völkerrechtswidrig geführte Irak-Feldzug auf 800.000 Tote. Die Mehrzahl der Opfer waren friedliebende Muslime, keine Terroristen. Saddam Hussein war ein Diktator, aber am Anschlag auf das World Trade Center war er nachweislich nicht beteiligt. „Diejenigen, die Saddam 2003 beseitigt haben, tragen auch Verantwortung für die Situation im Jahr 2015“, sagt mittlerweile selbst Tony Blair, einst der willige Krieger an der Seite der USA.“

Die Reaktion Hollandes auf die Pariser Terroranschläge wird zum Beispiel in der taz am 15.11.15 beschrieben: „Präsident François Hollande hatte nach den Anschlägen von einem Akt des Krieges gesprochen und Vergeltung gegen den IS angekündigt. […] Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.“

Von Vergeltung ist die Rede, freiheitliche Rechte werden in Frankreich deutlich eingeschränkt. Auf der Seite von Jürgen Todenhöfer, der in die Gebiete des Islamischen Staates gereist ist, um sich ein Bild unter Einsatz seines Lebens vor Ort zu machen, kann man lesen, dass es allein in Libyen 40.000 Tode wegen der militärischen Aktionen in den vergangenen 4 Jahren gegeben hat.

Todenhöfer sagt: „Noch mehr Krieg bedeutet:

- noch mehr Tote,

- noch mehr Terroristen,

- noch mehr Flüchtlinge.“

An den Bombardements der NATO auf Libyen hat sich Frankreich aktiv beteiligt.

Noch mehr irritiert, was man von anderen Aktivitäten des französischen Präsidenten im Netz erfahren kann. So veröffentlicht spiegelonline am 04.05.15 einen Text („Katar kauft französische Kampfjets“), in dem folgende Zeilen zu finden sind: „Der Verkauf von 24 französischen Rafale-Kampfjets an den Golfstaat Katar ist endgültig perfekt. Der milliardenschwere Rüstungsdeal wurde in Doha im Beisein des französischen Präsidenten Hollande unterzeichnet.“

Rafale- und Miragekampfflugzeuge werden vom französischen Konzern Dassault Aviation produziert. Laut Bericht der La Gazette de Berlin vom 07.03.2014 saß der Chef dieses Unternehmens, Serge Dassault, für zwei Tage in Untersuchungshaft wegen des mutmaßlichen Stimmenkaufs in Zusammenhang mit seinen politischen Aktivitäten.

Noch perfider wird es, wenn man erfährt, dass dieser Rüstungskonzern 2004 eine der größten Pariser Tageszeitungen gekauft hat. Bei Wikipedia (Stand: 23.11.2015) steht auf der Seite zum Eintrag von „Le Figaro“ folgendes: „Seit Juni 2004 gehört Le Figaro dem Luftfahrtunternehmer- und UMP-Politiker Serge Dassault, der gegenwärtig rund 70 französischsprachige Blatter unter seiner Kontrolle hat. Der Besitz durch Dassault, der unter anderem eine Weisung für die Redaktion ausgab, keine Informationen zu veröffentlichen, welche seinem Geschäftsinteresse abträglich sein konnten, sorgte für Kontroversen in Frankreich und teils auch in der Redaktion selbst.“

Nicht, dass Deutschland bezüglich der Waffenexporte eine andere, humanere Strategie fahren würde. So berichtet zeitonline am 18.04.2013 in einem Artikel mit der Überschrift „Panzer-Deal mit Katar“ über Leopard II-Lieferungen nach Katar. So heißt es im genannten Artikel: „Die Rüstungsschmiede Krauss-Maffei liefert 86 Kampfpanzer nach Katar, ein Land mit problematischer Menschenrechtslage. Für Linke und Grüne ist das ein Unding. […] Die Bundeskanzlerin mache Deutschland "zum Hoflieferanten des Nahen Ostens", sagte der Außenexperte der Linksfraktion, Jan van Aken.“

Und was kann man noch Katar über herausfinden? So wird im Berliner Kurier vom 17.09.14 geschrieben: „Katar steht im Verdacht, die brutalen Glaubenskrieger des „Islamischen Staates“ (IS) zu finanzieren. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat diesen Vorwurf kürzlich erhoben. […] Viele Nahost-Experten sind sich sicher, dass Katar nicht nur die Hamas finanziert und Hamas-Chef Chalid Maschaal in Doha Asyl gewährt.“ Wir erinnern uns, in Doha unterschrieb auch Hollande den Kampfflugzeugdeal. Katar bestreitet die betreffenden Vorwürfe.

Mein Fazit. Wegen der NATO-Angriffskriege gab es Hunderttausende an zivilen Opfern. Dadurch ist die Zahl der Terroristen und der bewaffneten Kämpfer massiv gestiegen. Bis zum heutigen Tag liefern Länder wie Frankreich und Deutschland Waffen in Krisengebiete und an kritikwürdige Regierungen, wie Saudi Arabien und Katar. Die Waffenexporte an Saudi Arabien wurden in 2015 sogar intensiv ausgeweitet. So darf Saudi Arabien auf Grund einer bestehenden deutschen Lizenz auch im eigenen Land das Gewehr G36 herstellen. Damit wird der Konflikt befeuert, das Gewaltpotential erhöht sich weiter. Profiteure dieser Kriege, zum Beispiel Rüstungskonzerne, haben starken Einfluss auf meinungsbildende Medien. Auf diese Weise wird unterstützt, dass Feindbilder weiter ausgebildet werden, um militärische Aktivitäten zu legitimieren.

Ich kann nicht sagen, was mir mehr Sorgen bereitet. Das ich mit ein paar Stunden Recherche auf solche Ergebnisse kommen muss oder, obwohl es so leicht ist, derartige Informationen zusammenzutragen, das wir friedliebenden Menschen solche Strukturen überhaupt zulassen. Ich bin 1989 in Leipzig auf die Straße gegangen, nur das habe ich nicht gewollt. Die Welt bewegt sich in eine komplett falsche Richtung. Der Terrorismus lässt sich auf diese Weise nicht überwinden. Gewalt erzeugt neue Gewalt. Ich fordere ein sofortiges Ende der Rüstungsexporte an Drittstaaten. Ich weiß, ich kann mir hier wünschen, was ich will. Kriegsfördernde elitäre Kreise kann ich nicht stoppen. Das können die Völker dieser Erde nur gemeinsam. Aktuell sind die friedensstiftenden Aktionen noch viel zu übersichtlich. Dennoch haben wir es gemeinsam in der Hand, wie viel Landstriche noch in Schutt und Asche gebombt werden, wie viele zivilen Opfer es noch geben muss, bevor sich die Masse erhebt. Ich unterscheide nicht zwischen einem friedliebenden zivilen Muslimen und einem friedliebenden zivilen Christen oder anderweitig religiösen oder nicht religiösen Menschen. Wir können nur gemeinsam aus dem Teufelskreis herausfinden. Führende politische Eliten werden uns dabei nicht helfen, da sie sich zum Teil unbelehrbar auf dem falschen Pfad befinden. Offensichtlich handelt es sich um eine Aufgabe, die wir, damit meine ich alle friedliebenden Menschen dieser Welt, nur selbst lösen können. Möge es uns gemeinsam gelingen.

Last modified on Dienstag, 24. November 2015 22:15

2 comments

  • Kennst Du den größten Waffenhändler Deutschlands?
    der Daimler-Konzern baut
    - Atomwaffenträger für französische U-Boote
    - Eurofighter-Kampfflugzeuge (u.a. für Saudi-Arabien)
    - Raketenwerfer für Streumunition
    - Mercedes-Militär-Unimogs für Krisen- und Kriegsgebiete
    Quelle: Kritische Aktionäre Daimler
    OHNE WAFFENEXPORTE - WENIGER FLÜCHTLINGE !!!

  •   Küßner Michael
    Comment Link Küßner Michael 08. Dezember 2015

    Hallo Steffen, Danke für den Artikel und für deine Arbeit, die Du seit langer Zeit leistest ! Großen Dank auch an alle die Dich unterstützen !!

    liebe Grüße Michael

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